Angela Piekoschowski
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen
 

 
                          

Frühe Traumata

Zwillingsverlust, das frühe Trauma im Mutterleib

Dieses Thema ist vielen von uns überhaupt nicht bewusst. Und doch, die Zahl der nicht überlebenden Zwillinge/Mehrlinge ist viel höher, als angenommen. Damit erleben auch sehr viele überlebende Zwillinge den Tod ihres Geschwisters und das wirkt sich oft auf das weitere Leben aus.

Bekannt ist, dass der Tod eines Zwillings oft unbemerkt von den Ärzten oder der Mutter bleibt, weil dieses Erreignis meist in der 5. - 10. Schwangerschaftswoche (SSW) geschieht. Die ersten Ultraschalluntersuchungen erfolgen aber erst zwischen der 9.-12. SSW, so dass das Ereignis unerkannt bleibt. Bekannt ist auch, dass ca. 10% der Schwangerschaften Mehrlingsbefruchtungen sind und daraus nur wiederum ca. 1% lebende Zwillinge hervorgehen. Damit entstehen ca. 9% sogenannte Geisterzwillinge, die während der Schwangerschaft sterben.

Den Tod eines Zwillings bekommt der überlebende Zwilling aber hautnah mit, denn er/sie ist mit seinem/ihrem Zwilling auf's engste verbunden. Es gibt Foto's und Filme von ungeborenen Zwillingen, die zeigen, dass sich die Kinder umarmen und den anderen sehr genau wahrnehmen. Die Wahrnehmung der Kleinen ist bereits sehr ausgeprägt, sie bekommen auch in frühen Stadien der Schwangerschaft schon sehr viel von der Außenwelt, vor allem aber die Emotionen der Mutter mit. Jede emotionale Veränderung der Mutter wird über die Hormone an die Kleinen weitergegeben. Z.B. ist das Hörvermögen ab der 20. SSW komplett ausgebildet und die Kinder können bspw. die Gespräche der Eltern hören.

Mögliche Auswirkungen

Wenn nun einer der Zwillinge stirbt, stellt dieses Erleben für den anderen Zwilling ein schweres Trauma dar. Der Überlebende bekommt ganz genau mit, wie das Leben aus dem anderen weicht und das Herz aufhört zu schlagen. Der überlebende Zwilling spürt einen starken Schmerz und wird möglicherweise später im Leben unerklärliche Schuldgefühle und Trauer empfinden.

Die Mutter ahnt oft nichts von den dramatischen Vorgängen und nach der Geburt wissen sie und der überlebende Zwilling i.d.R. nichts von dem Geisterzwilling. Durch das erlittene Trauma im Mutterleib kann es jedoch für den überlebenden Zwilling zu organischen Fehlbildungen, psychosomatischen oder psychischen Auswirkungen kommen. Den überlebenden Zwilling belastet später oft das Gefühl, nicht in Ordnung zu sein, nicht zu genügen. Manche essen für zwei oder lassen dem anderen immer etwas über, arbeiten doppelt so hart oder haben eine enorme Sehnsucht nach Nähe oft verbunden mit großer Verlustangst. Das alles erklärt sich aus der tiefen Sehnsucht nach dem verlorenen Zwilling. Weitere Symptome können Schwindelanfälle, Herzrasen, Schmerzen (Enge) in der Brust, Panikattacken, übersteigerte Angst vor dem Tod u.s.w. sein.

 Lösungsmöglichkeit

Helfen kann ein bewusster Abschied von seinem Zwilling, z.B. durch ein Begräbnisritual. Bei manchem reicht auch schon, darüber zu sprechen und die damals gefühlten Emotionen noch einmal zu durchleben. Weitere hilfreiche Therapieformen sind z.B. systemische Ansätze wie die Aufstellungsarbeit. Im Grunde spürt jeder Betroffene, was ihm in dem Moment helfen kann, wenn sich das Thema erst einmal gezeigt hat.