Angela Piekoschowski
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen
 

                          

 

Kriegskinder und Kriegsenkel

Der Zweite Weltkrieg mit seinen Schrecken, der Terror der NS-Zeit und die nachfolgende Zeit mit Vertreibung, Verlusten, Hunger und vielen traumatischen Erfahrungen haben tiefe Spuren beim Einzelnen sowie auch im Kollektiv hinterlassen.

In meiner Praxis zeigt sich immer öfter, dass die Erlebnisse der damaligen Zeit nicht nur bei den primär Betroffenen, sondern auch bei deren Kindern und Enkeln Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit haben.

Meist sind es die Enkel, die das an die Oberfläche holen, was jahrzehntelang in den Familien aus Schuld, Scham und Angst verschwiegen wurde.

Sei es nun Gewalt, die unsere Vorfahren erfahren haben oder die sie selbst jemandem angetan haben, all dies bleibt im familiären Gedächtnis gespeichert und hat Auswirkungen auf die Familienmitglieder.

Die damaligen Gegebenheiten und die daraus resultierenden traumatischen Folgen haben unsere Großeltern und Eltern  extrem belastet und diese werden derzeit vermehrt hochgespült. Viele Dinge sind nicht bewusst, haben aber tiefe Spuren hinterlassen, die sich in Gefühlen wie z.B. Todesangst, Ohnmacht, Scham und Schuld ausdrücken. Um diese Gefühle nicht spüren zu müssen, werden sie verdrängt.

Die Erfahrungen zeigen, dass unverarbeitete Gefühle und unerledigte Angelegenheiten an die nächsten Generationen weitergereicht werden, womit diese dann genauso stark belastet sind.

In der heutigen Zeit sind es die Enkel, die Fragen stellen, um die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern besser verstehen zu können. Denn nur, wenn wir unsere Familiengeschichte verstehen, kann uns das auf unserem Weg voranbringen und das gegenseitige Verständnis über die Generationen wachsen lassen.

Unsere Großeltern, teilweise auch unsere Eltern haben die Erfahrungen des Krieges, Flucht und Vertreibung i.d.R. verdrängt und sprechen nicht darüber. Viele schämen sich angesichts der Verbrechen, die damals geschehen sind, ob sie nun Opfer oder auch Täter sind. Besser, man spricht nicht darüber....oder es werden wundersame Geschichten erfunden, die es demjenigen erleichtern, mit seiner Kriegsgeschichte leben zu können.

Heute fragt die junge Generation nicht mehr "Wieso habt ihr das zugelassen? Warum habt ihr euch nicht dagegen gewehrt?" sondern "Was habt ihr konkret getan,  unternommen, als ihr gemerkt habt, dass plötzlich Menschen verschwinden, eure Nachbarn abgeholt wurden, deren Eigentum konfisziert oder zerstört wurde?"

Wenn überhaupt in Familien über diese Zeit gesprochen wird, dann meist über private Familienangelegenheiten, weniger über die politischen Aspekte der Zeit.

Aus therapeutischer Sicht lässt sich feststellen, dass die heute 70-80 jährigen vermehrt mit ihren Erlebnissen aus dieser Zeit konfrontiert werden. Damals herrschte eine menschenverachtende Ideologie vor, die sich auch in der Erziehung der damaligen Kinder wiederspiegelte. Gewalt in der Familie war nicht selten und die Gefühle der Kinder wurden nicht respektiert.

Es ist jetzt Zeit, dass sich die Generation der Kriegskinder erlaubt, sich diesem wichtigen Trauerprozess zu stellen. Sich einzugestehen, dass die Erlebnisse furchtbar waren und darüber zu sprechen.

Inzwischen können wir erleben, dass heute viel mehr über diese Zeit gesprochen wird, auch wenn es darum geht, sich einzugestehen, dass die Eltern oder Großeltern in NS-Verbrechen verstrickt waren. Wir müssen lernen, dies alles zu ertragen und akzeptieren, dass wir nicht alles integrieren können. Viele haben gelitten und tun es noch heute, denn

"Krieg hört nicht auf, wenn die Waffen schweigen. Krieg beschädigt nachhaltig die Beziehungsfähigkeit und damit auch die Beziehungen in Familien." (Sabine Bode)

Wenn Sie Ihre persönliche Geschichte betrachten und sich dieser stellen möchten, damit der Weg für Sie und Ihre Nachkommen leichter wird, bin ich gern für Sie da, um Sie ein Stück zu begleiten...